Hartz IV » Arbeitslosen- Initiativen » Jobcenter Göttingen: Ausnahme oder Regel?

Jobcenter Göttingen: Ausnahme oder Regel?

Achtung, ich warne vor. Auch, wenn ich ansonsten bemüht bin, die hier eingestellten News nicht emotional zu würzen und ebenso versuche, ein relativ ausgewogenes Verhältnis zwischen guten und schlechten Nachrichten unterzubringen: dieser Beitrag könnte persönlich werden.

Nein, ich nenne keine Namen. Aber ich stelle mir insgeheim die Frage: Sind wir nicht alle ein bisschen Göttingen?

In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass das Jobcenter Göttingen einem Mann die Bezüge gekürzt hatte, weil er unerlaubterweise Nebeneinkünfte bezog. Nicht etwa mit Schwarzarbeit, sondern mit Betteln. Darauf gekommen ist das Amt, weil ein Mitarbeiter des Jobcenters den Mann zweimal vor einem Supermarkt hatte stehen und betteln sehen. Auf Grundlage dessen, was dieser Mitarbeiter im Hut des Bettlers sah, rechnete das Amt hoch und kürzte dem Mann die Bezüge. Erst um 140 Euro, nach Einspruch dann „nur“ noch um 50 Euro.

Es gibt mehrere Seiten dieser Medaille. Zum einen könnte man dem Göttinger Jobcenter zugute halten, dass es offenbar seine Kunden gut kennt, also offenbar auch in gutem oder zumindest engem Kontakt mit ihnen steht. Zum zweiten könnte man sagen, dass die Kürzungen gerecht sind, denn alle anderen müssen auch mit ihrem Geld auskommen.

Dagegen steht aber, dass das Jobcenter Göttingen schon des Öfteren in den Schlagzeilen war wegen seiner Entscheidungen. Die dort herrschenden Zustände führten sogar soweit, dass eine Erwerbsloseninitiative eine Befragung unter Hartz-IV-Empfängern durchführte, um sich ein Bild zu machen. Die Ergebnisse sind erschreckend. Denn das Drangsalieren und die gehäuften Sanktionen in Göttingen scheinen systematisch durchgeführt worden oder sogar vorgeschrieben zu sein.

Göttingen ist weit weg, könnte man jetzt sagen, doch aus meinem eigenen leidvollen Erfahrungsschatz kann ich sagen, dass die Jobcenter in Greifswald und Berlin Neukölln auch in Göttingen zu liegen scheinen. Darum möchte ich von Ihnen, geneigter Leser gern wissen, wie Ihre Erfahrungen sind. Haben auch Sie bereits Willkür oder Schikane zu spüren bekommen? Oder können Sie vielleicht sogar Positives berichten? Schreiben Sie mir an juliane[at]hartz-iv-blog[dot]de. Oder hinterlassen Sie einen Kommentar.

Ich freue mich auf eine rege Diskussion.

Ãœbrigens hat das Jobcenter Göttingen seine Entscheidung grundlegend zurück genommen. Einkünfte aus Betteln werden künftig bei niemandem mehr auf die Bezüge angerechnet. Ob das ohne den öffentlichen Aufschrei auch so gekommen wäre?


letzte Artikel


5 Kommentare to “Jobcenter Göttingen: Ausnahme oder Regel?”

  1. Zum-Geld Says:

    Im SHK Kreis oder auch in Jena, gibt es auch immer wieder Meldungen von Schikane. Aus eigener Erfahrung, kann ich die schlechten Methoden der ARGEN nur bestätigen. Kürzungen sind hier noch eine ehr harmlosere Sache, da wird mal eben sogar 3 Monate gar kein Geld bezahlt, ungerechtfertigt wohlgemerkt. Erst auf mehr Druck wurde dann gezahlt. Soweit zu meinen Erfahrungen.

  2. Ralph Krüger aus Neustrelitz Says:

    Eines Tages, dann, wenn Hartz IV Geschichte ist und dafür werden die Menschen über kurz oder lang sorgen, denn so etwas menschenverachtendes hat niemals auf Dauer Bestand, werden sich die hochgradig fiesen und gehässigen Mitarbeiter der ARGEn vor den Gerichten zu verantworten haben, wie seiner Zeit die Stasitypen nach dem Zerfall / Zerschlagung deren Apparates, versprochen !

  3. Monika + 5 Kinder Says:

    Die ARGE in der Arbeitsagentur Homberg-Efze im Schwalm Eder Kreis Hessen wird eine bewusste Verarsc.. der besonders armen (z.B. alleinerziehenden Mütter mit vielen Kindern) Harz 4 Empfängern vollzogen. Gerade die, die aus der Misäre raus kommen wollen und sich Jobs suchen (und teils schon offizell etwas dazuverdienen) werden wie der letzte Dreck behandelt… Da gekommt auch keiner seinen Sachbearbeiter ans Telefon (geschweige denn ein Rückruf oder Termin) wenn mal einfach eine Zahlung komplett ausfällt… Es wird Zeit, dass da mal einer von der Bundesagentur für Arbeit Nürnberg reinschaut…

  4. Thomas Says:

    Wenn der Mann tatsächlich Einkünfte mit Betteln erzielt, dann halte ich die Entscheidung für richtig. Das ist dann wohl eine Tatsachenfrage. Weder Betteln ist schutzwürdig, noch der Bezug von Hartz IV neben Schwarzarbeit.

    Willkürentscheidungen gibt es bei der Arge Eilenburg allerdings auch. Insbesondere bei den Kosten der Unterkunft geht es drunter und drüber.

  5. Peter Says:

    Hallo, ich bin betroffener in Göttingen seit dem 1.01.2012 bin ich EU meine teilweise EU ist unbegrenzt die volle EU ist bis Ende 2015 und wird dann neu überprüft desweitern sind meine Erwerbsfähige Frau und mein 16jähriger Sohn mir gegenüber Unterhaltspflichtig dies sind die Gründe warum ich keinen Antrag nach SGB 12 stellen kann und dies ist dem SB beim Jobcenter auch bekannt. Trotzdem will er mich nötigen dort einen Antrag zu stellen obwohl klar ist das keine berechtigung dfür vorliegt
    auch hämische Kommentae wie das hab ich wohlwollend zur Kenntniss genommen sind dort an der Tagesordnung für Zahlungseingänge von 20€ werden wochenlang die Zahlungen zurückgehalten für die Teilnahme an der Konfirmationsfahrt wurde meinem Sohn das Geld gekürzt obwohl der Termin beim AA rechtzeitig mit dem Hinweis auf die Abschlussfahrt der Konfirmation hingewiesen wurde. Ich bin dafür das hiermal wieder ein Oskar für Herrenmenschen vergeben wird denn den haben die sich wirklich mehr als verdient.

schreib ein Kommentar