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Macht Armut krank?

Am Wochenende findet in Stuttgart der Landespsychiatrietag statt. Ein Thema dieses Kongresses wird die Frage sein, ob Armut krank macht oder sogar die Lebensdauer beeinflusst. Das Motto der Veranstaltung lautet „Lebensqualität und Menschenwürde – das geht alle an“.

Der Professor für Sozialmedizin Gerhard Trabert hat sich mit der beängstigend zunehmenden Zahl der psychischen Erkrankungen in Deutschland beschäftigt. In einem Interview mit den Stuttgarter Nachrichten Online sprach er über seine Erkenntnisse.

Eine seiner Thesen für den sprunghaften Anstieg der psychischen Erkrankungen ist, dass der Druck und die Angst vor Arbeitslosigkeit und dem damit verbundenen sozialen Abstieg bei vielen Menschen auf die Seele drückt. Besonders alleinerziehende Mütter sind seiner Meinung nach hier eine gefährdete Gruppe. Trabert sieht es als einen gesellschaftlichen Fehler an, dass sich der Mensch heute nur noch über das definiert, was er hat und verdient.

Um sich ein besseres Bild machen zu können, ist Gerhard Trabert eine Zeit lang in einer Obdachloseneinrichtung gegangen. Hier konnte er seine Erfahrungen mit der Armut und daraus resultierenden psychischen Problemen aus erster Hand sammeln. Sein Fazit ist, dass der Hartz IV viel zu niedrig ist, weil er dem Empfänger nicht ermöglicht, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Besonders schlimm sei dies für Kinder, denn sie würden es oft nicht verstehen und damit ihren Eltern ungewollt ein schlechtes Gewissen machen, was diese wiederum bedrückt.

In dem Gespräch prangert Trabert an, dass viele Politiker schlicht nicht wüssten, über wen sie entschieden und was die Entscheidungen bewirken. Mit der Einführung der Praxisgebühr beispielsweise sei klar gewesen, dass viele sozial benachteiligte Menschen nicht mehr zum Arzt gehen würden und so die Akutbehandlungen zunehmen würde. Einem Hartz IV-Empfänger zu empfehlen, einen Pullover anzuziehen, wenn ihm kalt ist oder eine Erhöhung des Regelsatzes zum Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie zu bezeichnen sei eine Katastrophe.

Außerdem führt Trabert in dem Gespräch eine Zahl an, die in keiner Statistik bisher auftaucht: Männer aus sozial benachteiligten Schichten sterben rund elf Jahre früher als ihre wohlhabenderen Geschlechtsgenossen, Frauen etwa acht Jahre früher. Das habe das Robert-Koch-Institut herausgefunden.


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3 Kommentare to “Macht Armut krank?”

  1. Oliver Says:

    Fakt ist das Viele körperlich behinderte Harz Empfänger sind auf Mehrbedarf der Behinderten laut Verordnungen verzichten müssen. Das gab es nicht mal unter Stalin!
    So halte ich die Ausführungen des Herrn Prof. Gerhard Trabert nur auf die Psychischen Belastungen beschränkt.

    Ich selber lebe in den OstdeutschenTeil Deutschlands in einen Harz Getto was da wegstirbt im besten Alter oh je. Wir haben in Deutschland eine Medizinische Grundversorgung das heißt vieles was in anderen EU Staaten einfach Verschrieben und von den Kassen übernommen wird ist in Deutschland trotz Gebühren Befreiung voll zu Bezahlen, oder man kann es sich nicht leisten.

    Soweit ist dann das SGBII nun nicht zu verstehen.

    SGBII Kapitel 1 Fördern und Fordern

    1. durch eine Erwerbstätigkeit Hilfebedürftigkeit vermieden oder beseitigt,
    die Dauer der Hilfebedürftigkeit verkürzt oder der Umfang der
    Hilfebedürftigkeit verringert wird,
    2. die Erwerbsfähigkeit des Hilfebedürftigen erhalten, verbessert oder wieder
    hergestellt wird,
    3. geschlechtsspezifischen Nachteilen von erwerbsfähigen Hilfebedürftigen
    entgegengewirkt wird,
    4. die familienspezifischen Lebensverhältnisse von erwerbsfähigen
    Hilfebedürftigen, die Kinder erziehen oder pflegebedürftige Angehörige
    betreuen, berücksichtigt werden,
    5. behindertenspezifische Nachteile überwunden werden.

    Dies sollte man nicht unbedingt für bare Münze nehme ich selber zu 60% Behindert kann da ein Lied singen.

  2. elsa Says:

    Armut macht krank, aber das heist nicht dass Reichtum gesund machen kann 🙂

  3. krank Says:

    Liebe Elsa, dein Kommentar ist kurz aber sehr intelligent. Es ist echt wahr…auch Reichtum kann krank werden.Trotzdem ist keine Entschuldigung um Armut nicht zu bekämpfen.

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