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Berliner Staatsanwalt scheitert an Jobcenter-Service-Hotline

Fast könnte man ein wenig hämisch werden. Denn offenbar ist auch die Obrigkeit nicht vor den Schutzwällen gefeit, die die Jobcenter in Berlin um sich herum gezogen haben.

Jobcenter-Service-Hotline

Toller Service an der Hotline vom Jobcenter - Foto: Fotolia

Ein Teil dieses Schutzwalles ist die sogenannte Service-Hotline, eine gebührenpflichtige 0180-Nummer. Sie wurde eingerichtet, damit die Mitarbeiter, die ohne Frage überlastet sind, nicht ständig bei ihrer Arbeit gestört werden. Außerdem ist Berlin bekanntermaßen pleite, vielleicht ist sie ja darum kostenpflichtig. Diese Nummer wird den Berliner Arbeitslosen als erstes Mittel der Wahl bei Klärungsbedarf von Problemen jeglicher Art ans Herz gelegt. Jeder, der diese Nummer schon einmal gewählt hat, weiß, dass dort alles mögliche getan wird, nur Probleme werden äußerst selten gelöst. Dafür hängt man tagsüber ewig in der Warteschleife und wenn dann ein freundlicher Callcenter-Mitarbeiter abhebt, hat er alles, nur keine Hilfsmöglichkeiten. Konkrete Nachfragen können am Telefon nicht besprochen werden, aus Datenschutzgründen. Termine können auch nicht ohne weiteres gemacht werden. Eigentlich können nur oberflächliche Rechtsfragen besprochen werden, die man auch mit einem Blick ins Internet beantworten kann.

Aber was ist nun der Grund für die Häme?

Das Jobcenter Charlottenburg-Wilmersdorf hatte ein Rentnerpaar beschuldigt, Vermögen verschwiegen zu haben, um die Grundsicherung für Rentner zu erhalten und Strafanzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft gestellt. Der dort wirkende Staatsanwalt wiederum hatte noch eine Frage und wollte schnell mal telefonisch nachfragen.

„Aus völlig unverständlichen Gründen ist in der dortigen Strafanzeige nicht einmal eine Durchwahlnummer der zuständigen Sachbearbeiterin angegeben“, schrieb die Staatsanwaltschaft in einem Brief an die Behörde. Nun könnte man sagen, dass es Millionen von Hartz-IV-Empfängern genauso geht, auch sie kennen von ihrem Sachbearbeiter bestenfalls den Namen, haben aber weder eine Durchwahl noch eine E-Mail, um ihn direkt erreichen zu können. In diesem Fall handelt es sich aber um eine Strafanzeige des Jobcenters und dass dort nicht einmal eine Angabe zum Kontakt gemacht wurde, ist schon ein starkes Stück. Folgerichtig bat die Staatsanwaltschaft im eben erwähnten Schreiben weiter das Jobcenter darum, „die dortigen Mitarbeiter ernsthaft darauf hinzuweisen, dass ein derartiges Verhalten nicht hinnehmbar ist“.

Es wird noch besser

Nachdem der Staatsanwalt nun keine Durchwahl zum Sachbearbeiter des Falles hatte, versuchte er es an der Service-Hotline. Nach „ca. 10-minütiger Wartezeit“ hatte er tatsächlich jemanden am Apparat. Sehr schnell, Hut ab. So schnell hat bei mir selten einer abgenommen. Und die nette Stimme teilte ihm mit, was man allen anderen Anrufern auch mitteilt: Die Durchwahlnummern könne man nicht herausgeben, denn es gebe „eine Weisung, dass man keine entsprechenden Mitteilungen machen“ dürfe. Auch die Telefonnummer oder nur den Namen des Vorgesetzten wollte sie nicht verraten.

Der Staatsanwalt hatte inzwischen das Gefühl, das viele Anrufer dort sicher kennen:Â dass man ihn „offensichtlich nicht ernst nahm“, und das obwohl er „mehrfach darauf hinwies, dass er in seiner dienstlichen Funktion als Staatsanwalt anrief“. Wenn ich mich jetzt in den Kopf der Frau am anderen Ende hinein versetze…

Machtwort von oben

Daraufhin verfasste der Staatsanwalt sein bereits erwähntes Schreiben. In diesem erachtet er nicht nur ein „derartiges Verhalten nicht hinnehmbar“, sondern bat auch darum, dass künftig „auch persönliche Rückrufnummern zu dortigen Bediensteten angegeben werden, um entsprechende Rückfragen beschleunigt klären zu können“. Und die bekommen sie nun auch, aufgrund der, wie Jobcenter-Leiter Johannes Langguth es nennt, „berechtigten Beschwerde“. Die Arbeitslosen hingegen müssen sich auch weiterhin mit der Hotline be(ver?)gnügen.


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19 Kommentare to “Berliner Staatsanwalt scheitert an Jobcenter-Service-Hotline”

  1. Sabrina Says:

    Das ist doch alles nicht wahr, also wenigstens, wenn solche Fragen sind, sollte man doch die direkten Durchwahlen rausgeben. Dass man sich bei der Service-Hotline melden muss ist klar, aber wenn ein bestimmtes Anliegen da ist, dann muss es einfach einen Rückruf oder eine andere Kontaktmöglichkeit geben. Wie der Name ja schon sagt, handelt es sich um ein Callcenter, das Fragen nicht beantworten kann, es sind eben keine ausgebildeten Mitarbeiter der Agentur dran. Aber ist ja nicht nur in Berlin so, sondern überall!

  2. klaus bamberger Says:

    für das jobcenter berlin pankow wenigstens hat jetzt jemand die komplette rufnummernliste im internet veröffentlicht!! die beste alternative zur hotline ist die nr. des sekretariats geschäftsführung: 030 5555346000

  3. Michael Says:

    Tja – was soll man dazu sagen? Mir persönlich fällt zu der Unfähigkeit dieser Beamtenä… nichts mehr ein. Echt nicht!

  4. karsten Says:

    Das kann doch alles nicht mehr wahr sein. Gerade die, die kein Geld haben oder verdienen, müßen eine Gebührenpflichtige Hotline anrufen??!!! Wo sind wir eigentlich gelandet?? Das passt zu den ganzen Paragraphen, wo auch kein Mensch durchblickt. Null Durchblick und dazu noch ein paar Euro durch Hotlines, daß paßt zu unserem Staat

  5. Wolfgang Says:

    Wunder mich überhaupt nicht, nur am kleinen M a n n kann noch jede Menge verdienen, sei es nun bei Hartz I V oder bei den überteuerten Hotlines. Sauerei wir müssen auf die Parikarden gehen sonst ändert sich hier nichts mehr.

  6. Ranger Says:

    Also wenn selbst ein Staatsanwalt keinerlei Info bekommt. Dann muss man doch echt an den Leuten da zweifeln. Aber das Arbeitsamt an sich bzw halt das Jobcenter ist eh ein Witz. Die haben vor einigen Jahren ma ihr Logo neu Designen lassen. Das hat mehrere Millionen Euro gekostet! Und was kam raus… die haben einfach nur die Farben gewechselt. Super! Hat sich auf jeden fall gelohnt. Dass Geld dafür hätten die zb für die Hotline einsetzten können damit diese Umsonst ist.

  7. Bully Says:

    Ich finde es sowieso etwas merkwürdig, dass es ein Callcenter von der Agentur für Arbeit gibt. Und dazu auch noch mit einer 0180 Nummer. Welcher Arbeitslose oder Hartz IV Empfänger kann es sich denn leisten, dort anzurufen? Diese Menschen bekommen eh schon wenig Geld und das sollen Sie auch noch für teure Telefonkosten ausgeben. Und das mit dem Staatsanwalt ist ja die absolute Krönung, überall hat man einen Ansprechpartner und bei diesem Amt geht es nicht?

  8. Carola Says:

    Es gibt nicht nur in Berlin eine Hotline für Arbeitslose und Hartz IV Empfänger, die gibt es in jeder Stadt, das hat nichts damit zu tun, dass die Stadt kein Geld hat. Aber gerade wenn die Staatsanwaltschaft eingeschaltet wird, sollte man doch eine Nummer mit angeben, falls noch Rücksprache gehalten werden muss.

  9. Bärbel Says:

    Sollten mal Paar Arbeitslose anstellen anstatt der Hotline.

  10. Claudia Says:

    Das ist Deutschland …

    Mehr kann ich dazu leider nicht sagen !!!

  11. sigi Says:

    Hallo ihr braucht doch bloß eine email einrichten und eine email
    an das Jobcenter schreiben das kostet nichts.
    Auch euer Sachberbeiter hat eine email und ist für euch erreichbar.
    Die email ist absolut verbindlich und gilt wie ein Einschreiben.
    Ihr könnt euch eine Menge Geld sparen und eure Bewerbungen ect
    alle per email erledigen.
    Wer bei einer teuren Gebührenazockhotline anruft ist letztendlich selber schuld.

  12. bernd Says:

    hier ist die adresse zur telefonnummernliste des jobcenter-pankow:
    http://de.indymedia.org/2009/02/242001.shtml

  13. Sabine Hannetrans Says:

    Durch Zufall stiess ich beim Recherchieren auf diese informative und übersichtliche gestaltete Internetseite. Design und Umsetzung finde ich sehr gelungen. Gruß aus Thüringen!

  14. Ralf R. Says:

    Was kann man dazu noch sagen? THATS GERMANY 😉
    Arbeitslosen suchen jobs, also stellt die doch ein 😉 Man will ja niemanden zur Arbeit zwingen, aber hey anstelle der Hotline ein paar Arbeitsplätze 😉

  15. Ines Says:

    @ Klaus und Bernd:

    Vielen Dank für die Veröffentlichung der Telefonnummer des Sekretariats und des Links zu den Telefonnummern der Sachbearbeiter im Jobcenter Berlin-Pankow!
    Großartig! 😉

  16. Elizebeth Velasquez Says:

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  18. Paint Zoom Says:

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  19. Michael Says:

    Das mit der Hotline ist einfach nur Blödsinn. Hot wird diese Line sehr wohl, weil eben viele dort anrufen. Ein netter Nebenverdienst, um die Hartz IV-Zahlungen teilweise zu kompensieren. Besser ist, man geht direkt dorthin und fragt.

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