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Hartz-Reform: Zumindest teilweise erfolgreich

Das Institut für Arbeits- und Berufsforschung hat in einer Studie eine Zwischenbilanz nach vier Jahren Hartz IV gezogen. Das Ergebnis ist besser als gedacht. Doch es gibt Verbesserungsbedarf.

Berlin – In einem Buch fasst das Institut für Arbeits- und Berufsforschung(IAB) auf 353 Seiten seine Studie zur Situation auf dem Arbeitsmarkt nach vier Jahren mit Hartz IV zusammen. Ihr Urteil: „ein gemischtes Bild mit positiver Tendenz“.

Zwar habe die Reform am Arbeitsmarkt positive Effekte erzielt, jedoch gebe es noch viel Verbesserungsbedarf. Dieser liegt besonders in der Professionalität der Fachkräfte. Auch die Beschäftigungsmöglichkeiten für besonders Arbeitsmarktferne, also chronisch Kranke oder Langzeitarbeitslose, seien alles andere als ausreichend. Als positiv sehen die Autoren Peter Kupke und Joß Steinke an, dass die Reform zum Rückgang der strukturellen Arbeitslosigkeit beigetragen hat. Nach dem Beginn der Reform seien zwar die Arbeitslosenzahlen nach oben geschnellt, dies hätte aber auch daran gelegen, dass viele Sozialhilfeempfänger erst dann als arbeitslos eingestuft worden sind.

Kinder bleiben Hürde für Beschäftigung

Insbesondere die individuellen Hilfemöglichkeiten sind nach dem Ergebnis der IAB ausbaufähig. Es müsse möglich sein, intensiver auf die sehr unterschiedlichen Situationen der Betroffenen einzugehen. Die meisten Hürden stellen sich Alleinerziehenden und Paaren mit Kindern in den Weg. Doch das seien Hürden, die eine Arbeitsverwaltung allein nicht beseitigen könnte.

Mit der Hartz IV-Reform wurden die Systeme Arbeitslosenhilfe und kommunale Sozialhilfe zusammengefasst. Der größte Unterschied zur vorherigen Regelung war hierbei, dass der Grundsatz nun einheitlich ist und sich nicht mehr am früheren Einkommen orientiert. Mit Hartz IV soll lediglich der Lebensunterhalt gedeckt werden.

Plus und Minus

Zu den positiven Ergebnissen der Reform zählen die Autoren, dass Arbeitslose heute sehr viel offener in Bezug auf Wohnortwechsel oder Stellungsprofil seien, auch lange Pendelwege würden viele heute eher in Kauf nehmen. So seien Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt besser in Einklang zu bringen. Die berühmt-berüchtigten Ein-Euro-Jobs wären besser als ihr Ruf. Vielen derart Beschäftigten würden sie bessere Einstellungschancen verschaffen.

Dem Bedarf der besseren Beratung wird die Agentur für Arbeit übrigens entgegentreten, indem 9700 Jobcenter-Mitarbeiter, die bisher nur befristet angestellt waren, nun feste Verträge bekommen sollen. Größer ist da ein anderes Problem: nachdem bei den Jobcentern eine unerlaubte Mischverwaltung festgestellt wurde, müssen sie aus staatsrechtlichen Gründen umstrukturiert werden.


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7 Kommentare to “Hartz-Reform: Zumindest teilweise erfolgreich”

  1. Rico Says:

    Was heißt denn die Arbeitlosen seien offener geworden in Bezug den Wohnort zu wechseln? Warum denn wohl, weil man sie regelrecht dazu verdonnert und ihnen einen Standortwechsel dringend anratet, ob es was bringt bezweifle ich die Arbeit ist in anderen Bundesländern auch nicht viel besser!

  2. Revoluzzer Says:

    Diese 1 Euro Jobs sind der blanke Hohn! Das ist ja wohl echt ein Verdienst, den man allenfalls als symbolisch bezeichnen kann. Dass sich sowas in den Augen mancher Arbeitgeber gut macht, glaube ich gerne. Denn wer für einen Appel und ein Ei arbeitet, ist natürlich gern gesehen. Dann gibt’s halt 4 oder 5 Euro die Stunde, was immer noch lächerlich wenig ist, aber nach dem 1 Euro Job ganz toll aussieht. Wie salbungsvoll!

    Es geht hierzulande in eine ganz ungesunde Richtung! Hier werden die Menschen ja quasi zu einer „Mein-Arsch-ist-mir-der-Nächste“-Mentalität erzogen!

  3. Jerome Says:

    Bis zum 10.02.09 kann jeder noch für das bedingungslose Grundeinkommen petieren:
    https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;petition=1422;sa=sign

  4. Michael Says:

    Ausbeutung – Sklaverei würde ich die 1 Euro Jobs nenne, man beutet Menschen die in Not sind aus! Ich kann das einfach nicht mehr nachvollziehen was hier abgeht. Ein Euro Jobber werden eingestellt und wann die Arbeit erledigt ist können sie wieder gehen ohne Anerkennung- SAUREI !

  5. Patrick Says:

    Ich glaube, dass das alles viel zu schön geredet wird. Klar ziehen die Leute um, weil sie fast gezwungen werden. Klar nehmen die Leute einen langen Arbeitsweg in Kauf, weil man ihnen sonst droht Gelder zu kürzen. Klar nehmen Harz 4 Empfänger 1€ Jobs entgegen, weil sie mit dem Geld kaum leben können! Was ich damit sagen will ist, dass das Ergebnis immer von zwei Seiten zu betrachten ist.

  6. Herbert Says:

    Die Schere zwischen arm und reich klafft in unserem schönen Land leider immer weiter auseinander. Anstatt allen ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen werden die einen bevorzugt und die anderen landen mit Hartz IV in der Gosse.
    Von der Wiege bis zur Bahre mit Hartz IV –> schöne Aussichten…XD

  7. Fokko Says:

    Wenn es schon nicht mehr genug Arbeit für alle gibt, dann sollte man damit ehrlich umgehen; das Bedingungslose Grundeinkomen wäre da eine Lösung.

    Aber nicht diejenigen, die man eben nicht mehr brauchen kann, nach Jobs suchen lassen, die es grnicht gibt.

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