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Kein Geld für Hartz IV Brille

Na nun wird es immer bunter. Eigentlich unschärfer. Besonders für diejenigen unter uns, die eine Brille brauchen. Auch viele Arbeitslose und besonders Arbeitssuchende brauchen eine Sehhilfe. Das dachte sich auch ein Hartz IV Empfänger. Er beantragte die Erstattung von Kosten für Kontaktlinsen in Höhe von 220 Euro. Warum auch nicht. Gut sehen ist wohl ein Grundrecht. Es gehört im Beamten Deutsch gesagt, zum Lebensbedarf.
Die ARGE war aber ganz anderer Meinung. So ging das dann zum Sozialgericht. Der Mann bekam nicht Recht, sondern das Sozialgericht bestätigte mit seiner Entscheidung die ablehnenden Bescheide.
Aber meine Freunde jetzt kommt der Hammer, nämlich die Begründung des Gerichtes. Da der Regelsatz von der früheren Sozialhilfe von bis zu 345 Euro anstelle von 297 Euro für einen Alleinstehenden gestiegen ist, sollten die Bildung von Rücklagen für Anschaffungen über dem täglichen Bedarf hinaus ermöglichen.
Ich glaub ich spinne. Von 345 Euro im Monat soll ich noch Rücklagen schaffen. Da ist ja Wahnsinn. Was sind die paar Peppen heut noch wert? Wenn ich meine normalen Lebenshaltungskosten beglichen habe ist fast nichts mehr übrig.
Diese Richter haben keine Ahnung von der Lebensrealität der arbeitslosen Menschen. Und diese Leute sprechen Recht im Namen des Volkes. Es ist einfach nur widerlich.


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11 Kommentare to “Kein Geld für Hartz IV Brille”

  1. Jan Says:

    Äh… 220 Euro für eine Sehhilfe? Tut mir leid, mir fehlt die Phantasie um mir vorzustellen, wie eine solche Summe als kleinstmöglicher Preis zusammen kommen kann.

    Als ich während meiner Ausbildung meine erste Brille gekauft habe, da habe ich dafür 250 MARK zahlen müssen und hatte dafür ein relativ modisches Modell. Klar gibt es Unterschiede, was die Sehschärfen angeht – ich hatte aber damals auch eher hochwertige Gläser gewählt.

    Mir ist klar, dass die Preise gestiegen sind. Aber Sehhilfen, die unbedingt so teuer sein müssen, die sind jawohl schon recht nah an einer Schwerstbehinderung, oder?

    Das aus Steuergeldern nicht unbedingt Designergestelle und dreifach enspiegelte Kunststoffgläser gekauft werden müssen sollte selbstverständlich, eigentlich sogar wünschenswert sein. Auszubildende und Studenten, die auf jeden Fall mehr auf Ihre Sehhilfe angewiesen sind als jemand, der nicht auf eine daran hängende Tätigkeit angewiesen ist, müssen diese Summen auch irgendwie auftreiben. Wenn sie es nicht können, dann wird eben ein günstigeres Modell gewählt – dass weiß ich nun wirklich aus eigener, schmerzvoller Erfahrung.

    Mit diesem Artikel und durch solche Gerichtsprozesse wird das Problem verharmlost und Arbeitslose als modegeile Nimmersatts diskreditiert. Eine Brille ist nötig. Eine Schicke Brille oder Kontaktlinsen werden aber sehr schnell zu einem Luxus, für den arbeitende Menschen sparen müssen. Es wäre pervers, wenn auf Steuerkosten vorgeführt würde, dass es sich nicht lohnt für ein gewisses, wenn auch bescheidenes Maß an Luxus zu arbeiten.

  2. Manne Says:

    Hi,

    es geht auch nicht so sehr um die Höhe der Summe, sondern ums Prinzip. Und von Luxus kann nun überhaupt keine Rede sein.

  3. Hmpf Says:

    Ich kenne die Sehprobleme im diesem Falle nicht, aber ich ahbe einen Bekannten bei dessen Brillenrechnung ich auch gestaunt habe:
    700€ pro Glas.

    Und ja, es gibt bestimmte Arten der Sehschwäche die nur sehr schwer unter Kontrolle (durch GläseR) zu bekommen sind.

  4. Octoculus Says:

    Naja, um das Problem mal etwas mehr zu verdeutlichen: Ich habe eine Sehschwäche von ca. 8 Dioptren. Das heißt ich sehe garnichts wenn ich meine Brile abnehme.
    Gut, mit Ausnahme vieler bunter Farben.
    Aber selbst wenn ich kein Student wäre der ja darauf angewiesen ist (um damit mal auf jan zu reagieren) wäre ich damit nicht in der Lage irgendeine Tätigkeit ohne Sehhilfe zu erledigen.
    Und das ist keien schwere Sehbehinderung sondern sogar ziemlich normal. Ich gelte weder als halbblind noch als besonders benachteiligt; ich kann nur ohne Brille nichts machen.

    Ihr müsst verstehen ich hab keine modische Brille. Um genau zu sein war es ein 10€-Modell welches man beim Brillenhändler gratis zu den Gläsern bekommen hat; das teure daran waren wirklich die Gläser. Knapp 200€ pro Stück, und das mit minimalem Luxus (sie sind etwas dünner als normale Gläser, 10mm statt ca. 50mm, ca. 20€ teurer).
    Ich habe in meinem Nebenjob einen Monat lang gearbeitet nur um meine Brillenrechnung zu bezahlen.

    Von „Luxus“ kann in dieser Hinsicht einfach keine Rede sein… Wenn Leute eine Sehhilfe brauchen und ohne nicht einmal fähig sind zu arbeiten (oder auch nur den Antrag für das Arbeitslosengeld auszufüllen, geschweige denn überhaupt erst zu finden) dann finde ich es eher pervers wenn man sich mit perfekten Augen über solche Leute lustig macht.

  5. Jan Says:

    > Ich gelte weder als halbblind noch als besonders benachteiligt; ich kann nur ohne Brille nichts machen.

    Wie man das juristisch nennen mag weiß ich nicht aber ich persönlich würde das schon als schweres Handicap einstufen, bei dem gegen eine entsprechende Förderung nichts spräche.

    Die Brille, von der im Bericht die Rede ist, scheint allerdings ja nur etwa die Hälfte zu kosten, außerdem fehlen diese wichtigen Informationen, wie zum Beispiel zur Stärke.

    > es geht auch nicht so sehr um die Höhe der Summe, sondern ums Prinzip. Und von Luxus kann nun überhaupt keine Rede sein.

    Naja, wenn es ums Prinzip ginge und nicht um die Höhe der Summe, dann wäre ja jede Summe für jede Art Brille gerechtfertigt, was dann eindeutig „Luxusbrillen“ mit einschließen würde.

    Ich finde es etwas schade, dass zu dieser Brille, die soviel Geld kostet so wenige Informationen genannt werden. So lässt sich natürlich schwer beurteilen, ob in dem Fall unnötiger Luxus nicht finanziert worden ist oder Brillen aus Prinzip nie vom Staat bezahlt werden, was ich tatsächlich verkehr fände.

    Unbestreitbar ist doch aber, dass es Brillen gibt die aufwändiger sind als sie sein müssten. Und mir ist noch ein Fall in Erinnerung, wo eine Mutter vor Gericht eingeklagt hat, dass das Sozialamt ihrem Kind einen Scout-Schulranzen bezahlen muss damit das Kind nicht „auffällt“. Seit diesem Fall bin ich immer etwas skeptisch, wenn ich von Geschichten höre die ähnliche Vorgänge befürchten lassen – ich bin da wohl seitdem etwas empfindlich.

  6. Manne Says:

    Mit Sozial oder Chanchengleichheit hat das alles nichts mehr zu tun. Es scheint ein Witz zu sein, das die deutschen Gerichte unabhängig sind.

    Manne

  7. Markus Says:

    „Wie man das juristisch nennen mag weiß ich nicht aber ich persönlich würde das schon als schweres Handicap einstufen, bei dem gegen eine entsprechende Förderung nichts spräche.“

    tjo, das ist eben eine individuelle sache. und so sollte jeder arbeitnehmer auch behandelt werden, was ja leider nicht so ist.
    stattdessen alle in einen topf rein, klappe zu und munter drauf rumreiten, wobei 3/4 der leute die rumhacken eigentlich 0 plan haben. selbst wenn diese leute arbeitslos sind, und merken das das ein oder andre meinung fehlerhaft war, wird trotzdem genauso engstiernig weitergeschaut. ist halt leichter zu sprechen ohne das hirn eingeschaltet zu haben.

    wie will ich mir über einen beitrag eine meinung bilden, von dem ich kaum background infos habe. somit haben wir hier 2 verschiedene meinungen, wobei beide sinnlos und ohne background sind. jeder zieht seinen persönlichen schluss und bewertet. wie politiker mit unserem harz4….mal theoretisch durchgerechnet und das ok gegeben, anstatt erstmal nachzudenken und zu prüfen was man ggf selbst an ausgaben hat und wie weit man sich selbst einschränken würde.

  8. Natalie Hanke Says:

    Ich bin 31 Jahre alt und trage seit meiner Einschulung eine Brille. Meine Sehstärke beträgt irgendwas zwischen 12 und 13 Dioptrien, d.h. ich bin ohne mein Nasenfahrrad faktisch blind. Meine letzte Brille (noch vor Hartz IV) musste ich komplett selbst zahlen: Gestell 55 Euro, mit den Gläsern zusammen machte das über 200 Euro aus (Kunststoffgläser, weil bei der Brillenstärke Gläser aus Glas zu schwer wären). Meine Krankenkasse zahlte übrigens nichts dazu mit der Begründung, dies sei nicht mehr vorgesehen. Demnächst werde ich eine neue Sehhilfe brauchen und davor graut mir schon jetzt. Da ist man schon halbblind und gehandicapt, und dann wird man noch bestraft, so als habe man sich das selber ausgesucht. Dass man vom Regelsatz etwas ansparen kann, ist eine fromme Illusion. Selbst wenn man es könnte: Wie lange müsste ich dann für meine Brille sparen? Und stellt mir die Arge in diesem Fall wenigstens einen Blindenstock zur Verfügung, damit ich die Zeit ohne Brille überbrücken kann?! Sowas nenne ich menschenverachtend und zynisch.

  9. Dirk Says:

    Deutsche Gerichte und Ihre Entscheidungen. Fällt mir langsam nicht s mehr zu ein zu solchen Entscheidungen.

  10. Re: Shutter-Brille - 3D-Brille mit Grafikkarte von Elsa zu Ni… at deine-brille Says:

    […] > > > Bei welchem Händler??? Bitte antworte!! Ich wohne nämlich in > > Aachen, > > und für 5EUR würde ich garantiert noch ein paar kaufen (für > > Freunde…). Das wird wohl nichts werden. Auf der […]

  11. Re: Intelligente Klobrille? - Die Brille denkt mit at deine-brille Says:

    […] hat :-))) Igitt! Und im Hochsommer, wenn man eh schon schwitzt, klebt man dann an der Klobrille fest, weil sich an der heißen Klobrille Schweiß bildet? Nein danke! Noch etwas zu den […]

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