Mircofinanzierungen statt Hartz IV
Die Anzahl der Langzeitarbeitslosen ist in Deutschland wie in anderen Industrienationen seit Jahren hoch und ein Ende dieses Zustandes ist gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzkrise nicht abzusehen. Der Lebensunterhalt der Betroffenen wird hierzulande über Hartz IV, dem Arbeitslosengeld II, geregelt. Diese öffentlichen Unterhaltszahlungen werden von vielen Seiten kritisiert. Zum einen belasten sie die Haushalte der Kommunen und des Bundes in erheblichem Maß, zum anderen stellen sie auch für einen Großteil der Empfänger keine ausreichende Lösung dar. Sie wirken vielmehr wie eine dauerhafte Subventionierung, die die Langzeitarbeitslosen nicht aus ihrer Lage befreien kann. Tatsache ist, dass viele Arbeitslose hochqualifiziert sind oder zumindest das Potential zum Ausüben einer qualifizierten Tätigkeit haben. Dieses Potential von Millionen von Menschen bleibt beim augenblicklichen Sozialleistungssystem in Deutschland dauerhaft ungenutzt.
Nun hat sich auch der Friedensnobelpreisträger aus dem Jahr 2006, der aus Bangladesh stammende Muhammad Yunus, in die Diskussion eingemischt. Der 69-jährige Laureat und Wirtschaftswissenschaftler beklagt das ungenutzte Potential der Leistungsempfänger in den Industrienationen. Über die Vergabe von zweckgebundenen Microkrediten an Arbeitslose sollen seinem Vorschlag zufolge diese in die Lage versetzt werden, entsprechend ihren Fertigkeiten eine eigene Unternehmung aufzubauen, um sich damit ihren Lebensunterhalt selbst zu sichern. Yunus legt mit seinem Vorschlag ein konkretes Modell vor, bei dem jeder in Frage kommende Langzeitarbeitslose zwischen einer geschenkten Geldleistung, also einem nicht rückzahlbaren Kredit, oder einer großzügiger ausfallenden Geldleistung, die nach einem bestimmten Plan zurückgezahlt werden muss, auswählen kann.
Yunus hat ein vergleichbares Modell bereits in seinem Heimatland Bangladesh und anderen Entwicklungsländern praktisch eingeführt. Nach der Gründung seiner Grameen Bank im Jahr 1983 konnte er an viele mittellose Menschen Mikrokredite vergeben, mit denen sich die Kreditempfänger eine eigene Existenz aufgebaut haben. Das Geld wurde dabei zum Erwerb von Rohstoffen oder anderen Geräten und Materialien aufgewendet, um ein Handwerk oder eine Dienstleistung betreiben zu können. In seinem Heimatland konnte er damit zur Linderung der Armut beitragen. In Deutschland versucht seit einigen Jahren das Deutsche Mikrofinanz Institut DMI einen Mikrofinanzsektor zu etablieren, um gründungswillige Personen beim Aufbau eines neuen Unternehmens zu unterstützen. Das DMI wird von einigen Bundesländern und der KfW Bankengruppe, der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau, unterstützt. Ziel des Instituts ist es, in Deutschland Beratungszentren einzurichten, in denen sich Arbeitslose über die Aufnahme eines Mikrodarlehens informieren können und von Fachleuten beim Gang in die Selbstständigkeit beraten werden.
Dezember 16th, 2009 by Sefi | 1 Comment »
